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Der erste Eintrag: Barkeeperarbeit und traurige Gestalten
Tach auch!
Es gibt eine ganze Menge Klischees was den Beruf eines "Barkeepers" angeht. Ich selber übe diese Tätigkeit neben meinem Studium aus, denn wir wissen ja: Studieren ist teuer und bald noch teurer.
Ich habe in den Anfängen meines Daseins als "Keeper" ziemlich schnell Spaß daran gefunden. Nicht nur, dass man eine Arbeit hat, die inmitten von Leuten stattfindet, sondern man bekommt auch einige Dinge mit, die auf jeder Party der absolute Hit sind ... Cocktails mixen zum Beispiel *g* Aber nungut ... das führt eigentlich meistens dazu, dass man den Abend über mixt, während andere saufen. Es liegt jedermanns eigenem Ermessen den Wert dieses Attributes einzuschätzen.
Aber zurück zu den Klischees. Man behauptet zumindest, Barkeeper hätten nichts bessers zu tun, als den Abend damit zu verbringen Frauen abzuschleppen, sich umzusaufen und Drogen zu nehmen. Natürlich ist das absoluter Schwachsinn. Zugegeben: Wir wissen, viele Klischees kommen nicht von ungefähr und so hat auch "meine Zunft" einen guten Teil für dieses Ansichten über sich selber getan. Und natürlich finden wir, wie in jeder sozialen Gruppe, auch einige Beispiele, die dem vermeindlichen Idealtypus eines Barkeepers durchaus zuträglich sind. Auch ich kenne natürlich solche. Aber dennoch gibt es viel mehr Beispiele für solche, die dieses Handwerk mit Leidenschaft ausüben und das völlig ohne Klischees zu erfüllen. Es darf jedoch erwähnt werden, dass die erste Pflicht eines Barkeepers das Wohlbefinden seiner Gäste ist, was zum einen bedeutet, ihnen nichts mehr zu geben, wenn sie bereits einen zuviel hatten, ihnen ein Taxi zu rufen, ihren Barplatz sauber zu halten und natürlich auch mit männlichen respektive weiblichen Gästen zu flirten. Immerhin erhöht das das Gefühl des Wohlbefindens des Gastet und fördert "ganz nebenbei" auch den Umsatz.
Letztendlich gibt es aber noch ein weiteres "Feature" eines Barkeepers: Den Unterhaltungsfaktor und die latent psychologische Hilfestelltung. Bekannt ist diese Klischee aus einem Haufen Filme. Eine Gestalt betritt die Bar, zieht sich einen Hocker heran, schaut überaus traurig aus der Wäsche und ruft: "In dieser Welt gibt es nur wenige treue Freunde. Einer heißt Jack, und davon hätt' ich jetzt gern nen doppelten." Und dann hört man sich als Barkeeper die Lebensgeschichten, die Aufs und Abs und alles was den Gast bewegt an. Sofern man Zeit hat. Man bekommt also eigentlich die Rolle eines fremden Zuhörers, der sich alles anhört und vielleicht sogar noch den einen oder anderen Kommentar dazu abgibt, vielleicht sogar einen Rat hat, aber zumindest eben einfach nur zuhört.
Und damit zurück zum eigentlichen Thema dieses Beitrages: Die traurigen Gestalen. Eigentlich ist dieser Begriff nicht sehr fair und beschreibt auch nicht gänzlich das, was ich Euch sagen will. Aber gestern fiel es mir einmal mehr extrem auf. Ein Mann betrat die Bar, der doch häufiger mal da ist und mittlereile einen solchen Bekanntheitsgrad bei uns genießt, dass man nur den Kopf schüttelt das er kommt. Aus Mitleid. Der Mann ist geistig verwirrt und schwerer Alkoholiker um seine Ticks in den Griff zu bekommen. Und sein bester Freund ist tatsächlich ganz offensichtlich Jack mit einem guten Schuss Cola. Ich habe mich geweigert ihm etwas auszuschenken, weil ich einen solch bekannten Alkoholismus nicht fördern möchte, auch wenn mir der Mann leid tut. Ich habe ihn ungefähr zehn mal der Bar verwiesen und ihm gesagt, dass er nichts mehr bekommt, weil er jedes Mal, nachdem ich ihm das mitgeteilt habe, wieder reinkam und mir jedes mal erneut dieselbe Geschichte erzählen wollte, die ich aber schon von den unzähligen anderen Tête-à-Têtes kannte, inklusive der Fragen, die er jedesmal stellt.
Ich glaube, dieser Mann führt ein sehr einsames und trauriges Leben, auch wenn ich nicht sicher sein kann, dass er weiß, was er tut. Denn immer wieder entschuldigt er sich für sein Verhalten, fängt aber gleich von vorne damit an. Das geht sogar so weit, dass er die Gäste nervt, nicht aus böswilliger Absicht versteht sich und sogar fünfzehnjährige Burschen zu mir schickt, damit sie ihm für zwanzig Euro einen Drink besorgen.
Das sind Momente in denen man als Keeper entweder total genervt ist oder aber einfach nicht weiß, wie man helfen soll. Letzteres ist bei mir der Fall. Ich fühle mich hilflos, vermutlich aus einem unergründlichen Gefühl Verantwortung tragen zu müssen, was mir natürlich ganz und gar nicht obliegt. Aber was soll man machen? Letztendlich kann ich diesen Menschen nicht helfen und mir bleibt nichts weiter als mich abzuwenden und mich um meine anderen Gäste zu kümmern. Traurig, aber wahr.
Nunja ... man hat ja glücklicherweise nicht jeden Tag solche Erlebnisse. Ganz und gar nicht. Und am schönsten ist es sowieso, wenn alle Leute zufrieden den Laden verlassen haben, einen schönen Abend verbracht haben und schließlich das "Schlussdienst-Team" gemeinsam noch einmal fortgeht.
Da dies der erste Eintrag in meinem Weglog ist, will ich die Gelegenheit nutzen, Euch noch ein bisschen was zu erzählen, auch wenn das bedeutet, dass dieser Eintrag vermutlich etwas länger wird. Kümmert Euch aber nicht, oder? Soviel wirds auch nicht mehr. Ich will ja nicht alles auf einmal verraten 
Aber noch etwas: Was eigentlich besonders schön ist, wenn man als Student in der Gastronomie arbeitet: Man lernt reichlich schnell einen ganzen Haufen Leute kennen. Viele Leute haben ja ein Problem damit, Anschluss zu finden, wenn sie in eine neue Stadt ziehen. Mir geht es eigentlich überhaupt nicht so, aber als ich anfing in die Gastronomie zu gehen, hat sich meine "Kennenlern-Rate" exponentiell verfielfacht. Mittlerweile kenne ich in meiner Studienstadt viele viele Menschen, darunter natürlich Kommilitonen, aber natürlich auch meine Kollegen, Gäste und eine Mengen anderer Gastronomen. Und so passiert es in einer kleinen Stadt wie dieser auch ziemlich schnell, dass man "in der Szene" bekannt wird. Eigentlich ist es ganz nett, wenn man dich kennt, du mal den einen oder anderen Drink umsonst bekommst, aber vor allem ständig Leute triffst, gleich wo man hin geht. Ich genieße das zumindest.
Schön ist auch, dass unser Team im Großen und Ganzen so gut zusammen passt. Und aus diesem Grunde macht es auch häufig Spaß an gewissen Tagen mal zusammen fort zu gehen, sich zu unterhalten und die verschiedenen, zum Teil schillerenden Figuren der Stadt näher kennenzulernen. Und weil ich die Fotofunktion dieses Editors mal ausprobieren will, gibt es hier mal einen Eindruck von einem kleinen Teil der Menschen, mit denen ich zusammen arbeite:

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